Übersicht
Durch die Stilllegung des Kernkraftwerks Mühleberg fällt ab Ende 2019 ein Teil der Schweizer Energieproduktion im Mittelland weg. Diese fehlende Einspeisung muss mittelfristig durch höhere Produktion von Schweizer Kraftwerken oder durch Energieimporte aus dem Ausland kompensiert werden. Um die zusätzlichen Importe zu ermöglichen, müssen die bestehenden Kapazitäten der Höchstspannungsleitungen und Transformatoren zwischen Bassecourt und Mühleberg erweitert werden. Dies ist besonders in den Wintermonaten wichtig, wenn die Schweiz auf zusätzliche Energieimporte angewiesen ist.
Der Grossraum Bern ist bei einer normalen Versorgungslage auch nach der Stilllegung des Kernkraftwerks Mühleberg mit genügend Strom versorgt. Bei kurzfristigen Netzengpässen kann die Netzleitstelle von Swissgrid durch verschiedene Massnahmen wie Schalthandlungen oder Eingriffe in die Stromproduktion (Redispatch) bzw. durch Massnahmen am Strommarkt (NTC-Anpassungen) situativ eingreifen und die Netzstabilität sicherstellen. Um die Versorgungssicherheit mittelfristig zu gewährleisten, benötigt Swissgrid die 380-kV-Verbindung zwischen Bassecourt und Mühleberg.
Projekt
Die Höchstspannungsleitung Bassecourt – Mühleberg hat eine Länge von 45 Kilometern und wurde 1978 gebaut. Das Eidgenössische Starkstrominspektorat (ESTI) hat die Leitung bereits 1978 für eine Betriebsspannung von 380 kV bewilligt. Bis heute wurde sie nur mit einer Spannung von 220 kV betrieben. Die Spannungserhöhung erfolgt unter Einhaltung der Grenzwerte der Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV).
Die Modernisierung der Leitung erfolgt an den bestehenden Masten und verändert das Landschaftsbild nicht. An 54 von insgesamt 142 Masten sind Bauarbeiten geplant: einzelne Mastfundamente werden verstärkt, Doppelabspannketten eingebaut oder die Seilzugsspannung erhöht. Der zukünftige Betrieb mit 380 Kilovolt hat eine kaum wahrnehmbare Erhöhung der Lärmemissionen zur Folge.
Die geplanten Baumassnahmen für die Spannungserhöhung der Leitung Bassecourt – Mühleberg sind technisch in kurzer Zeit (ca. 6 Monate) realisierbar.
Die Baukosten für die Spannungserhöhung und Modernisierung der Höchstspannungsleitung Bassecourt – Mühleberg betragen rund 11 Mio. Franken.
Zeitplan
Das Bundesamt für Energie hat am 22. August 2019 die Spannungserhöhung der Höchstspannungsleitung zwischen Bassecourt und Mühleberg von 220 auf 380 Kilovolt bewilligt und die Einsprachen abgewiesen. Diese haben hauptsächlich die Belastung durch Magnetfelder und Lärm zum Inhalt oder fordern die Verlegung oder Verkabelung der Leitungsführung. Der Entscheid des Bundesamts für Energie wurde von verschiedenen Beschwerdeführern an das Bundesverwaltungsgericht weitergezogen. Das Bundesverwaltungsgericht hat am 15. September 2020 den Plangenehmigungsentscheid zur Spannungserhöhung der Leitung Bassecourt – Mühleberg bestätigt und alle Beschwerden abgewiesen. Dieser Entscheid kann mit einer Beschwerde an das Bundesgericht (BGer) weitergezogen werden. Damit verzögert sich die Spannungserhöhung der Leitung Bassecourt – Mühleberg um mindestens zwei Jahre.
Unterwerk Mühleberg
Im Unterwerk Mühleberg installiert Swissgrid einen neuen Transformator. In Kombination mit der Spannungserhöhung der Höchstspannungsleitung gewährleistet der Transformator in Mühleberg, dass der importierte Strom auf die 220-kV-Spannungsebene (Versorgungsebene) umgewandelt werden kann. Zu einem früheren Zeitpunkt hat Swissgrid bereits die Freiluftschaltanlage in Mühleberg mit einer gasisolierten Schaltanlage ersetzt.
Die zusätzlichen Transformatorenkapazitäten sind ein wichtiges
Element im «Strategischen Netz 2025» von Swissgrid. Dieses sieht
zusätzliche Transformatoren in Mühleberg, Laufenburg, Beznau, Chippis,
Châtelard und Romanel vor. Der Austausch von Energie mit dem Ausland
erfolgt zu rund 90 Prozent über das 380-kV-Netz. Durch die bislang
limitierte Transformatorenkapazität sind die Stromimporte nicht in
vollem Umfang nutzbar.