Übersicht
Swissgrid plant, die bestehende Höchstspannungsleitung zwischen Airolo und Lavorgo durch eine neue 380-kV-Freileitung zu ersetzen. Die derzeit genutzte Leitung wurde in den 50er Jahren gebaut und entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen. Die neue Trasse wird 23 Kilometer lang sein und auf der Schattenseite des Tals fern von den Ansiedlungen verlaufen. Nach Abschluss der Arbeiten wird die aktuell bestehende Leitung abgebaut. Als Ersatzmassnahme wird die Leitung von Azienda Elettrica Ticinese (AET) in Quinto, Rosi und Faido teilweise unter die Erde verlegt.
Auf denselben Masten erfolgt eine Bündelung mit einer 132-kV-Leitung der SBB, zur Versorgung der Eisenbahnstrecke des AlpTransit Gotthard.
Die Leitung ist notwendig, um die Sicherheit der Energieversorgung im Tessin sowie in der Schweiz zu gewährleisten. Derzeit sind die Leitungen im Alto Ticino unterdimensioniert und überlastet. Dies bedingt eine Produktionsbeschränkung der Tessiner Wasserkraftwerke. Swissgrid hat das Baugesuch im Mai 2020 eingereicht. Der Beginn der Bauarbeiten ist für 2024 vorgesehen.
Projekt
Chronologie
Die erste Konsultation zur Erhöhung der Spannung zwischen Airolo und Lavorgo fand bereits 1997 statt, als sich die Höchstspannungsleitung noch im Eigentum von Atel befand. 2006 wurde die Integration der SBB-Leitung in das Projekt beschlossen und 2012 wurde die Begleitgruppe des Bundesamtes für Energie (BFE) gegründet. In dieser Begleitgruppe wurden Varianten mit Erdkabeln oder mit Teilverkabelungen bewertet. Das Jahr 2013 stellt einen Meilenstein für das Projekt dar: Swissgrid übernimmt als nationale Netzgesellschaft das Schweizer Höchstspannungsnetz und der Kanton startet die «Studio Generale reti ad alta e altissima tensione in Ticino» (Allgemeine Studie zum Hoch- und Höchstspannungsnetz im Tessin). Aus dieser Studie resultierte eine Variante, die den Rückbau von Freileitungen auf mehr als 60 km Länge ermöglicht. Darüber hinaus wird die Notwendigkeit des Projekts Airolo – Lavorgo bestätigt. 2015 legt die Begleitgruppe den Korridor auf der westlichen Talseite sowie die Technologie (Freileitung) fest. Diese Empfehlung war Gegenstand einer öffentlichen Konsultation in den betroffenen Gemeinden, die im Sommer 2015 stattfand. Am 23. März 2016 genehmigte der Bundesrat den Korridor sowie die Technologie. Ausgehend von diesem Entscheid hat Swissgrid das endgültige Trassee ausgearbeitet. Swissgrid hat das Baugesuch im Mai 2020 eingereicht, das Projekt wurde im Juni 2020 in den betroffenen Gemeinden öffentlich aufgelegt.
Ein Projekt in Zusammenarbeit mit dem Kanton, AET und SBB
Im November 2013 haben der Kanton Tessin, Swissgrid, Azienda Elettrica Ticinese (AET) und die SBB in Absprache mit dem Bundesamt für Energie (BFE) beschlossen, Varianten zu erstellen, die besser auf die spezifischen Voraussetzungen abgestimmt sind und zudem einen umfassenden Ansatz für den gesamten Bereich «Alto Ticino» berücksichtigen, statt sich wie bislang rein auf die Leventina zu beschränken. Gemeinsam haben sie daher die «Neuordnungsstudie zum Hoch- und Höchstspannungsnetz im Tessin» initiiert. In einem ersten Schritt wurde der Bereich betrachtet, der als «Sektor Alto Ticino – Westteil» bezeichnet wird und das Maggiatal, das Locarnese bis Magadino, das Bedrettotal und die Alta Leventina bis Lavorgo umfasst.
Das BFE und die Begleitgruppe des Verfahrens haben aufgrund der Studie einstimmig die «Lösung zur Neuordnung der Übertragungsleitungen (Variante Leventina + 14)» aus etwa 70 möglichen Optionen ausgewählt. Diese Lösung ermöglicht unter anderem den Rückbau von rund 60 km Leitungen.
Neues Trassee und Erhöhung der Spannung
Das Ausbauprojekt ist als Teil des «Strategischen Netzes 2025» von Swissgrid von nationaler Bedeutung. Dank der neuen Freileitung entsteht eine zweite 380-kV-Verbindung zwischen dem Kanton Tessin und der übrigen Schweiz (zusätzlich zur Lukmanierleitung Mettlen – Lavorgo), wodurch die Übertragungskapazität verbessert wird. Auf den Masten der neuen Höchstspannungsleitung wird auch eine 132-kV-Leitung der SBB hinzugefügt. Dies gibt der SBB eine höhere Versorgungssicherheit für die Eisenbahnstrecke des AlpTransits Gotthard.
Nach Inbetriebnahme der neuen Leitung kann die derzeitige 220-kV-Leitung demontiert werden, die teilweise in der Nähe von Siedlungsgebieten verläuft. Als Ausgleichsmassnahme wird ausserdem die 50-kV-Leitung von AET teilweise unter die Erde verlegt.
Die neue Leitung wird 23 km lang sein und auf der rechten Talseite verlaufen. Von dem Projekt betroffen sind die Gemeinden Airolo, Quinto, Prato Leventina, Dalpe und Faido. Die geplante Investition beläuft sich auf 82 Millionen Schweizer Franken.
Nächste Schritte
Der Bundesrat hat 2016 den Planungskorridor und die Technologie (Freileitung) genehmigt. Ausgehend von diesem Entscheid hat Swissgrid die endgültige Trasse ausgearbeitet, auch in Zusammenarbeit mit Gemeinden und Bürgergemeinden, dank zahlreicher Ortsbegehungen und eines laufenden Dialogs mit den lokalen Behörden. Swissgrid hat das Baugesuch im Mai 2020 beim Eidgenössischen Strominspektorat ESTI eingereicht. Das Projekt wird im Juni 2020 für einen Zeitraum von 30 Tagen in den betroffenen Gemeinden öffentlich aufgelegt. Bei günstigem Verlauf kann 2024 mit den Bauarbeiten begonnen werden.
Untersuchung von Varianten mit Erdverkabelung
Während des Sachplansverfahrens wurde die Übertragungstechnik untersucht. Es wurden Varianten als Freileitung, Vollverkabelung und Teilverkabelung untersucht. Diese Varianten wurden mittels dem Bewertungsschema des Bundesamtes für Energie bewertet. Es wurden die Aspekte Umweltschonung, Raumentwicklung, technische Aspekte und Wirtschaftlichkeit untersucht. Anhand dieser Bewertungen hat die Begleitgruppe die beste Lösung (im Projekt Airolo – Lavorgo als Freileitung) eruiert und wurde vom Bundesrat am 16. März 2016 festgelegt (SÜL 106).
Die Kabeltrasse kann aufgrund der Kabelgewichte und Muffenschächte (ca. alle 700 – 1000m) nur im Bereich des besiedeltem Gebiet bzw. mehrheitlich im Talgrund geführt werden. Die Zugänglichkeit muss jederzeit gewährt werden, falls ein Schaden auftreten sollte, da die Kabel ersetzt werden müssten. Zudem wurde aufgezeigt, dass bei einem Ausfall die Leitung für längere Zeit nicht verfügbar wäre, was wiederum die Versorgungssicherheit, insbesondere im Tessin, schwächt. Es ist auch zu beachten, dass bei einer Verkabelung der Swissgrid-Leitungen die SBB als Freileitung gebaut würde, da eine Verkabelung auf Grund Resonanzfrequenz nicht möglich ist.
Bei der Ausarbeitung des Bauprojekts wurden die Aspekte des Bewertungsschema nochmals kontrolliert um sicherzustellen, dass keine nennenswerte Änderungen seit dem Entscheid des Bundesrates vorhanden sind.
Mensch & Umwelt
Die Realisierung eines umfangreichen Infrastrukturprojekt wie der Bau einer Höchstspannungsleitung hat zwangsläufig Auswirkungen auf das Landschaftsbild. Swissgrid bemüht sich, die Auswirkungen der Leitung zu minimieren und allfällige Folgen auszugleichen. Im Umweltbericht (UWB) wurden über 100 Naturschutzprojekte aufgeführt. Zu diesen Massnahmen zählen beispielsweise die Überwachung des Steinadlers und des Birkhuhns sowie die Renaturierung von Flussläufen (wie dem des Trenta Valli) wie auch die Rückkehr zu den für die Weidewirtschaft genutzten Wäldern.
Landschaftsbild
Gleichzeitig mit diesen Naturschutzmassnahmen wird auch der Rückbau der bestehenden Leitung, die derzeit nahe an Ansiedlungen verläuft, sowie die teilweise unterirdische Verlegung der AET-Leitung durchgeführt. Die neue Höchstspannungsleitung wird fernab bewohnter Gebiete errichtet.
Dank der Bündelung der neuen 380-kV-Leitung von Swissgrid mit der 132-kV-Leitung der SBB wird die Errichtung von zwei getrennten Trassees vermieden. All dies kommt dem Landschaftsbild zugute. Die neuen Masten werden mit einem grünen Anstrich geliefert, so dass sie sich gut in die Umgebung eingliedern.
In einigen Bereichen sind Rodungen erforderlich, wodurch die Leitung in den ersten Jahren ein wenig stärker ins Auge fallen könnte. Es werden niederstämmige Bäume gepflanzt, damit die Masten weniger auffallen.
Die Festlegung der Trasse erfolgte in enger Zusammenarbeit zwischen Swissgrid und den Gemeinden und Bürgergemeinden. Es wurden zahlreiche Ortsbegehungen durchgeführt und Fotomontagen erstellt, die dann bei zahlreichen Sitzungen mit den lokalen Behörden optimiert wurden.
Elektromagnetische Felder und Lärmbelastung
Durch die grössere Entfernung der Leitung zu den Siedlungen wird die Belastung für die Bevölkerung reduziert. Der Grenzwert von 1 μT für elektromagnetische Strahlung wird überall eingehalten oder sogar unterschritten. Die Lärmbelastung wird durch den Einsatz modernster Technologien sowie von Zweierbündeln deutlich reduziert.
Naturgefahren
Bei der Ausarbeitung des Projekts hat sich Swissgrid von Expertinnen und Experten für Naturgefahren beraten lassen. So wurde beispielsweise für die Durchquerung des Schutzgebiets Tremorgio ein Gutachten durch das Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos erstellt. Die Erteilung der Baugenehmigung war an strenge Auflagen gebunden. So musste unter anderem in Zusammenarbeit mit Geologen des Kantons und Ingenieuren geprüft werden, ob entlang der Trassen Schutzmassnahmen erforderlich sind. Mögliche Naturgefahren sind Hangrutsche, Murgänge, Lawinen oder Steinschlag.